Plugins – Fluch oder Segen?

Das WordPress Plugin-Verzeichnis (auch Repository genannt) verzeichnet aktuell über 36.000 Programmerweiterungen, die das Content Management System WordPress mit wenigen Mausklicks zum Beispiel in einen Onlineshop verwandeln, statistische Auswertungen ermöglichen oder helfen, einen Newsletter einzurichten. Diese Plugins wurden von Freiwilligen erstellt, sind kostenlos erhältlich und haben sich zum Teil schon tausendfach in bestehenden Websites bewährt. So wird z.B. das Plugin Contact Form 7, mit dem sich vergleichsweise einfach ein Kontaktformular erzeugen lässt, auf inzwischen über 1 Million Websites eingesetzt. Insgesamt verzeichnet das WordPress Plugin-Repository bereits über 860 Millionen Downloads.

Plugins sind schick. Mit wenig Aufwand erlauben sie Anwendern, ihre Website ohne viel Zutun um alle möglichen Aufgabenbereich zu erweitern – und zwar kostenlos. Sollte der WordPress-Nutzer also nach dem Motto „Viel hilft viel“ einfach möglichst viele Plugins installieren? Leider ist es nicht ganz so einfach.

In den meisten Fällen verschlechtern zusätzliche Plugins die Performance einer Website: Desto mehr Umwege WordPress beim Abruf der Inhalte aus der Datenbank gehen muss, um so langsamer wird die Website. Dies wird vor allem bei Erweiterungen für Social Media (Facebook, Twitter, …) deutlich, die besonders resourcenhungrig sind.

Oft gibt es aber zu ein und derselben Funktionalität gleich ein gutes Dutzend Plugins, die sich in Lösungsweg und Bedienerfreundlichkeit ganz erheblich unterscheiden. Um zu optimalen Ergebnissen zu kommen, sollte man einfach eine ganze Reihe Plugins auf ihre Tauglichkeit prüfen und auch die Programmierung einem kritischen Blick unterziehen. Liefert das Plugin die gewünschte Funktionalität? Ist es komfortabel zu bedienen? Welche Nachteile bringt das Plugin ggf. mit sich?

Da sich viele Anwender mit der Bewertung von Plugins überfordert fühlen, tauchen im Internet regelmäßig Blogbeiträge auf, die sich mit den 10, 20 oder auch 50 beliebtesten und besten Plugins beschäftigen – Plugins, die „jeder haben muss“. Grundsätzlich ist nichts daran auszusetzen, Plugins auf ihre Tauglichkeit zu prüfen und Empfehlungen auszusprechen. In der Regel gibt es aber zu jedem der dort aufgeführten Plugins ebenso gute Argumente, sie nicht einzusetzen. Letztendlich hilft hier wirklich nur eine Auswahl nach eigenen Kriterien.

Im ungünstigen Fall können Plugins sogar ganz massive Probleme bereiten und Webseiten komplett lahm legen (erfahrene Anwender sprechen dann vom „White Screen of Death“, weil man tatsächlich nur noch leere, weiße Seiten sieht), die Sicherheit der Website beeinträchtigen oder Grundfunktionen von WordPress nachhaltig stören. Immerhin wird jedes Plugin vor Veröffentlichung im WordPress-Repository nach einer Reihe von Sicherheitskriterien geprüft, so dass massive Probleme eher die Ausnahme bleiben. Außerdem lassen sich die meisten Fehler auch schnell wieder beheben. Oft genügt es, das Plugin vom Webserver zu löschen.

Eine Sicherheitslücke im Newsletter-Plugin MailPoet führte zu Problemen in tausenden Websites. Das Entwicklerteam hat das Problem in sehr kurzer Zeit behoben und vorbildlich reagiert. Sicherheitskonzepte wurden überarbeitet und die Kommunikation mit Anwendern verbessert. Quelle: MailPoet

Sind also Plugins doch nicht so toll? Doch, auf jeden Fall. Denn es gibt faszinierende Lösungen, in die sehr viel Entwicklungszeit geflossen ist. Durch den Rückgriff auf bewährte Lösungen lässt sich viel Geld sparen – nicht nur, weil viele Plugins kostenlos angeboten werden, sondern auch weil sie dem Betreiber der Website eine aufwändige Programmierung von Insellösungen ersparen.

Auf die richtige Auswahl kommt es an.


Nachtrag: Gino Cremer, Autor des WordPress Praxishandbuch, merkt via Twitter an, dass man gute Plugins auch in Form einer Spende honorieren sollte. Dem schließe ich mich gerne an.