Webhosting

Dreizehn Jahre waren meine Webseiten auf dem Servern eines großen deutschen Webhoster untergebracht. Für einen Wechsel gab es keinen Grund, da ich mit der angebotenen Leistung sehr zufrieden war. Nun gibt es aber einige Änderungen, die für mich Anlass genug waren, den Vertrag zu prüfen und über einen Wechsel zu einem anderen Anbieter nachzudenken.

Aber wie findet man eigentlich einen geeigneten Webhoster? Welche Angebote gibt es und wo unterscheiden sie sich? Was sind die (Mindest-)Anforderungen für Websites, die mit WordPress erstellt wurden?

Für Websites kleiner und mittlerer Unternehmen reicht meist bereits das so genannte Shared Hosting aus, bei dem auf einem Webserver die Websites mehrerer Kunden untergebracht werden. Die Idee dahinter ist, dass die Systemresourcen für wenig frequentierte Webseiten genug Spielraum bieten, um Webseiten von bis zu 200 Kunden mit einem einzigen Server schnell genug bedienen zu können.

Für individuelle Wünsche bleibt im Mengengeschäft jedoch wenig Platz: Bei sehr einfachem Webhosting erhält der Kunde eine vorkonfigurierte Datenbank, kann Rechenkapazität Arbeits- und Massenspeicher des Servers nur sehr begrenzt nutzen, hat wenig Konfigurationsmöglichkeiten, zahlt dafür aber im Gegenzug auch nur wenige Cent im Monat an den Webhoster. Was für eine private Webseite mit den letzten Urlaubsbilder völlig ausreichend ist, passt für eine geschäftlich genutzte Website selten.

Am anderen Ende der Preisskala steht das Angebot von Webservern, die einem einzelnen Kunden gewidmet sind („Dedicated Server“) und (wahlweise mit und ohne Server-Management durch den Webhoster) ganz nach den Wünschen des Kunden konfiguriert werden können. Der hohe finanzielle Aufwand rechnet sich vor allem bei Anwendungen, die zwingend eine hohe Performance erfordern, etwa Webshops.

Zwischen Mengengeschäft und Exklusiv-Lösungen gibt es noch das Angebot von „virtuellen“ persönlichen Servern (Virtual Private Server, VPS), bei denen sich zwar mehrere Kunden einen Webserver teilen, aber doch noch weitgehend individuelle Konfigurationsmöglichkeiten haben. Die Webhoster bieten damit eine für jeden Geldbeutel skalierbare Lösung.

Bereits abgeschlossene Verträge

Viele Kunden haben bereits irgendwann Verträge über Webhosting abgeschlossen – häufig, ohne den wirklichen Bedarf überhaupt ermittelt zu haben.

Um HTML-Seiten auszuliefern und grundlegende Funktionen der Skriptsprache PHP zu bedienen, reicht es, wenn der Webhost einen PHP-Speicher von 32 Megabyte von einen Festplattenplatz von 1 Gigabyte zur Verfügung stellt. Soll die Website hingegen mit WordPress laufen, wird der PHP-Speicher schnell knapp; hier sind 64 Megabyte eher die untere Grenze und für anspruchsvollere Funktionen, wie z.B. einen Webshop mit dem WordPress-Plugin WooCommerce braucht man unter einem PHP-Speicher von 128 Megabyte gar nicht erst anfangen. Ob der Festplattenplatz ausreicht, richtet sich vor allem nach den verwendeten Mediendateien. Einem Fotograf, der mit WordPress sein Portfolio vorstellen möchte, reicht 1 Gigabyte Speicherplatz ganz sicher nicht aus.

Die meisten Webhoster sind flexibel und bietet für einen geringen Aufpreis den Wechsel in leistungsfähigere Tarife an. Wer aber bereits bei monatlichen Mehrkosten von fünf Euro knausert, sollte sich vor Augen halten, dass die Website letztendlich auch für seine Kunden durch einen Tarifwechsel durch schnellere Ladezeiten attraktiver wird.

Pflichtenheft

Ein Pflichtenheft für die Verwendung von WordPress lässt sich rasch zusammenfassen:

  • min. 64MB PHP-Memory (128MB und mehr für aufwändigere Anwendungen)
  • min. 8 MB PHP Maximum Upload Size für den Upload von Mediendateien
  • min. 1GB Speicherplatz
  • PHP 5.6 oder höher
  • 1 MySQL-Datenbank 5.5 oder höher
  • max. 150 Kunden pro Webserver
  • SFTP (verschlüsselte Dateiübertragung)
  • SSL-Zertifikat zur Nutzung von https für die gesamte Website (welche Vorteile Ihnen https bietet, habe ich im vorherigen Beitrag beschrieben)

Ein zusätzliches,nicht zwingend erforderliches Qualitätsmerkmal ist der Zugriff auf den Webserver per Secure Shell (SSH), der besonders effizient Anpassungen oder Aktualisierungen per Terminal möglich macht.

Liegen die Kriterien für den Wunschserver fest, kann das Angebot mit einem Vergleichsportale wie Webhostlist sehr gut gefiltert und verglichen werden. Die Erfahrungsberichte anderer Kunden geben einen ersten Einblick in das Serviceverständnis des Webhosters. Besonders aufmerksam verfolge ich aber die Aussagen anderer Web-Entwickler, die täglich mit diversen Webhostern arbeiten und häufig über ähnlich gute oder schlechte Erfahrungen berichten.

Manchmal geht die Abneigung gegen einen bestimmten Webhoster sogar soweit, dass Kollegen für Arbeiten an dort untergebrachten Webseiten einen ordentlichen Aufpreis verlangen.

Ist man mit einem Webhoster nicht (mehr) zufrieden, kann die Website mit überschaubarem Aufwand auf den Server eines anderen Webhoster übertragen werden.

Bei meinem bisherigen Webhoster stimmte soweit eigentlich alles. Sehr sorgfältig konfigurierte Server mit einem (selbst nach der angekündigten Preiserhöhung noch) gut ausgewogenem Preis-Leistungsverhältnis und sehr gutem Support. Entscheidend für den Wechsel zu einem anderen Anbieter war für mich die Verlegung der Server nach Frankreich und dort die aktuellen Änderungen im Datenschutz.

Nach sorgfältiger Recherche habe ich nun meine Website zu einem anderen Webhoster übertragen. Preis-Leistungsverhältnis und auch der angebotene Support haben mich überzeugt; Server-Standort ist Deutschland.

2 Gedanken zu „Webhosting“

  1. Persönlich würde ich heutzutage für WordPress nur noch ein Hosting mit mindestens 128 MB Arbeitsspeicher nehmen. Allerdings wünsche ich mir nicht zwingend SFTP, FTPES (Explizites FTP über TLS) geht meiner Meinung nach auch.

    1. Hallo Jan,

      mit 128 MB Arbeitsspeicher ist die Ausstattung sicher komfortabler und man erlebt z.B. beim Medien-Upload oder Backup nicht so schnell eine unangenehme Überraschung.

      Auch bei der Ausstattung des FTP-Zugriffs gebe ich Dir Recht. Der Schwerpunkt liegt auf einer verschlüsselten Verbindung, damit auch bei einem Zugriff auf den Webserver unterwegs niemand Zugangsdaten aufzeichnen und missbrauchen kann.

      Danke für deinen Kommentar.
      Bego

Kommentare sind geschlossen.